Werner Reimers Stiftung
Werner Reimers Stiftung

Werner Reimers

Geboren am 03.08.1888 in der japanischen Hafenstadt Yokohama als zweites von fünf Kindern des Hamburger Überseekaufmanns Otto Reimers und seiner Ehefrau Elisabeth, geb. Muhl.

Gestorben am 11.06.1965 nach einem Krankenhausaufenthalt in Freiburg im Breisgau. Er setzte die von ihm errichtete Stiftung testamentarisch zur Universalerbin ein.

Der Unternehmer

Werner Reimers war von Hause aus ein unternehmerischer Geist mit Tatendrang und Vision. Er folgte der kaufmännischen Tradition seiner Familie, anstatt wie er sich es gewünscht hatte zu studieren. Nach seiner kaufmännischen Ausbildung arbeitete er zehn Jahre in dem väterlichen Unternehmen in Japan.

1922 kehrte er zurück nach Deutschland, wo er nach einer erfolgslosen Gründung seiner eigenen Handelsfirma auf die britische Erfindung eines stufenlosen Getriebes (PIV) stieß. Sein unternehmerischer Geist und seine Faszination für technische Innovationen bewegten ihn dazu, das Getriebe marktfähig zu produzieren. So kaufte Werner Reimers 1928 das Patent und gründete das Unternehmen „P.I.V. Werner Reimers Getriebe GmbH & Co. KG“.

Die Zahl der Mitarbeiter des Unternehmens stieg kontinuierlich während der 30er Jahre. Seine Firma wurde mehrfach für das positive Betriebsklima als auch für die Förderungen sozialer Leistungen der Mitarbeiter gelobt. Da die produzierten Getriebe vornehmlich in der Textil-, Nahrungs-, Holz-, Papier, Metall- und Chemieindustrie eingesetzt wurden, war die Produktion ein wichtiger Teil der Kriegswirtschaft. 1945 führte Werner Reimers NSDAP-Mitgliedschaft zu einem vorläufigen Berufsverbot. Schließlich wurde er als „Mitläufer“ eingestuft und durfte die Firma ab 1948 wieder leiten. Das Unternehmen wuchs bis 1965 auf eine Mitarbeiterzahl von 1800 an und war somit das größte Unternehmen Bad Homburgs. Die Gewinne aus der Firma kamen ab 1968 der Stiftung zu Gute.

Auch nach dem Tod von Werner Reimers setzte „P.I.V.“ ihre Arbeit fort. Mangels unternehmerischen Tatendrangs und wegen der zunehmend digitalisierten Industrie, wurde das stufenlose Getriebe als veraltet abgelöst. 2001 musste die von Werner Reimers gegründete Firma schließen. Obwohl die Werner Reimers Stiftung von den Einnahmen vom P.I.V.-Unternehmen finanziert wurde und somit ihre Mittel vorerst verlor, überdauerte die Stiftung die Krise und konnte ihre Arbeiten fortführen.

Der Sammler und Mäzen

Werner Reimers hat sich sein Leben lang für die Erforschung der Natur des Menschen in all ihren Facetten interessiert. Obwohl er auch eine persönliche Sammlung an ostasiatischer Kunst pflegte, fand er als Unternehmer kaum Zeit für eigene Forschung; er setzte sein Vermögen auch deshalb zu deren Förderung ein.

Die Stiftung besitzt eine bedeutende Sammlung an japanischer und chinesischer Kunst, deren Kernbestand dem Frankfurter Museum Angewandte Kunst überantwortet ist. Der Bestand umfasst unter anderem Keramik, Fächerblätter aus dem 15. und 18. Jahrhundert sowie einen chinesischen Steinbuddah aus dem 8. Jahrhundert.

Sie lag Werner Reimers am Herzen und zeigt seine Verbundenheit mit dem ostasiatischen Raum. Er selbst schrieb über die Jahre 1912 – 1920: „lebte teils in Yokohama, Tokyo und Kyoto; hauptsächlich ostasiatische Kultur und Kunst studiert; Sammlungen angelegt“.

In diesem Sinne konzentriert die Stiftung sich zum einen darauf, zusammen mit dem Museum die Sammlung wissenschaftlich zu erschließen und aufzuarbeiten. Ein zusätzlicher Akzent ihrer Tätigkeit wird im Verein mit zusätzlichen Partnern der Förderung des wissenschaftlichen Dialogs zwischen Deutschland und Ostasien gelten, die geplante Deutsch-Japanische Studiengruppe.

Bereits 1935 wurde er Mitglied der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, 1956 wurde er in den Verwaltungsrat der Gesellschaft gewählt, und 1957 wurde ihm die Senckenberg-Medaille verliehen. Mehrere Jahre stand er im Gespräch mit Senckenberg, um die Einrichtung einer (paläo)anthropologischen Forschungsabteilung in der Gesellschaft zu finanzieren. Die Abteilung der Paläontologie wurde nach Werner Reimers Tod 1965 errichtet.

Nach Reimers Tod erwarb die Reimers Stiftung 1968 eine der bedeutendsten Sammlungen zur Geschichte der Entstehung der Menschheit, die Gustav Heinrich Ralph v. Koenigswald-Sammlung. Als Dauerleihgabe der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung anvertraut und um weitere Fördermittel ergänzt, bildet sie seither den Grundstock für die dortige Abteilung für Paläoanthropologie. Die Sammlung bietet eine große Menge an Zeugnissen aus der menschlichen Vorgeschichte; besonders hervorzuheben ist das ca. 1,5 Millionen Jahre alte Schädeldach „Sangiran 2“, das von Koenigswald 1937 bei Ausgrabungen auf Java fand.

Die Senckenberg Gesellschaft und die Stiftung pflegen das Erbe und Potential v. a. durch die jährliche, internationale v. Koenigswald-lecture samt Forschungskolloquium – zugunsten der wissenschaftlichen Auseinandersetzung und dem Dialog mit der interessierten Öffentlichkeit.

Der Stifter

Mit 23 Jahren bekundete Werner Reimers bereits, ein erfolgreicher Kaufmann werden zu wollen, „um Kunst und Wissenschaft mit Mitteln zu helfen, um auch dadurch meinen Teil zur Entwicklung der Menschheit beizutragen“. Er war überzeugt, dass die Gesellschaft geistige Orientierung braucht, so wie er sie stets gesucht hat.

40 Jahre später griff Werner Reimers dieses Ziel auf und beschloss, eine eigenständige Stiftung zur Förderung der Wissenschaften vom Menschen ins Leben zu rufen. Werner Reimers diskutierte über sein Stiftungsvorhaben mit Persönlichkeiten wie dem Schriftsteller Hans-Hasso von Veltheim, dem Psychotherapeuten Erich Junne, dem Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker, dem Juristen Ludwig Raiser und anderen. Diese Stiftung sollte von den Erträgen seiner Firma leben.

Schließlich konnte er an seinem 75. Geburtstag, am 3. August 1963, vor der Belegschaft seines Unternehmens „P.I.V. Antrieb Werner Reimers GmbH & Co. KG“ die Gründung der Werner Reimers-Stiftung für anthropogenetische Forschung bekannt geben.

Als er zwei Jahre später in Freiburg im Breisgau verstarb, standen die Satzung und die Grundlinien für die Fördertätigkeit fest. Angelehnt an seine Vorgaben für die Verfassung sieht die Stiftung ihre Aufgabe heute darin, „wissenschaftliche Forschung zu fördern, die in Zusammenarbeit verschiedener Wissenschaften dazu beiträgt, das Verhalten des Menschen und das Wirken seiner Institutionen zu verstehen (…) und es weiteren Kreisen zu vermitteln“.